Der europaweite Ruhm des Meininger Hoftheaters im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ist in erster Linie Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen zu verdanken. Unter seiner künstlerischen Leitung entstanden mustergültige Inszenierungen, welche die Entwicklung der europäischen Theaterkunst nachhaltig beeinflussten.
Georg II. ist nicht nur der bedeutendste Vertreter der sachsen-meiningischen Speziallinie, sondern er gehörte auch zu den geistig herausragenden Vertretern des Hochadels im zweiten deutschen Kaiserreich. Ein Künstler und Pragmatiker auf dem Thron, der als Regisseur, Dramaturg und Ausstattungsleiter seine Maxime umzusetzen suchte: Dem (eigenen sowie europäischen) Volke zur Freude und Erhebung.
Die Zusammenarbeit mit der Gemahlin Helene Freifrau von Heldburg, selbst eine ehemalige Schauspielerin, und dem Theaterintendanten, Organisations- und Logistikgenie Ludwig Chronegk ermöglichte die Umsetzung seiner Vorstellungen. Bei ihrer Arbeit ließen sie sich von "Meininger Prinzipien" leiten wie: Jede noch so prächtige Ausstattung hatte sich dem Werk unterzuordnen. Jeder noch so große Star musste auch als Statist mitwirken.
Die "Meininger" waren lange Zeit unübertroffen in ihren Massenszenen sowie in der Licht- und Tonregie. So entstanden in sich stimmige Gesamtkunstwerke, welche auf gründlichen historischen Studien und exakt wiedergegebenen Vorbildern basierten.
Bleibenden Ruhm verschaffte sich der Meininger Herzog nicht nur als "Theaterherzog", sondern auch als Mäzen der anderen Künste. Durch die Berufung großer Dirigenten wie Hans von Bülow, Richard Strauss, Fritz Steinbach und Max Reger an die Spitze seiner Hofkapelle schuf er die Voraussetzungen, dass dieses Orchester für einige Jahrzehnte zu einem der führenden Klangkörper Europas aufrückte und durch Konzertreisen die Musikkultur des Kontinents bestimmte und bereicherte.
Mit den größten Komponisten seiner Zeit wie Max Reger, Johannes Brahms und Richard Wagner pflegte er freundschaftliche Beziehungen (Sammlung Musikgeschichte, Ausstellung: Meiningen - Musenhof zwischen Weimar und Bayreuth).
Doch damit nicht genug - durch seine Auftrags- und Baupolitik als Mäzen mit Kunstverstand förderte er noch unbekannte bildende Künstler und arbeitete mit bekannten wie Adolf von Hildebrandt und Franz von Lenbach zusammen. Die Ankäufe von Werken italienischer Renaissance machten seine Sammlungen zu einem weithin bekannten Anziehungspunkt für Kunstinteressierte. Des Weiteren ließ er Bereiche des Meininger Schlosses Elisabethenburg, das Schloss Altenstein und die Veste Heldburg im Stil der Neorenaissance umgestalten.